GIULIO CESARE IN EGITTO
JULIUS CÄSAR IN ÄGYPTEN
Barockoper von Georg Friedrich Händel
IN ALLER MUNDE Cäsar, der
brillante Feldherr, Staatsmann und
Schriftsteller, ist omnipräsent. In
der Herrschaftssprache führt er
ein Dasein als „Kaiser“ oder „Zar“.
William Shakespeare behandelte ihn
in seinem Drama Julius Caesar, das
gallische Dorf von Asterix und Obelix
leistete ihm erbittert Widerstand und
Lateinschüler mühen sich bis heute
mit der Übersetzung seines Bellum
Gallicum. Die heiße Liebesgeschichte
zwischen Cäsar und Kleopatra wurde
in den Sechzigern mit Rex Harrison und
Elizabeth Taylor in den Hauptrollen auf
die Leinwand gebracht.
DIE PERFEKTE OPER
Nach dem zeitgenössischen Musikkritiker Charles Burney
bietet die Oper „die Schönheit
aller Art im Überfluss.“ Das starke
Libretto von Francesco Haym ist
Politkrimi und Liebesdrama in
einem, und der Klangreichtum von
Händels dramatisch-virtuoser Musik
überwältigt die Zuschauer bis heute.
Dieser Cäsar ist ein Staatsmann, wie
man ihn sich nur träumen kann: Eine
entscheidungsstarke Persönlichkeit, die
die Kunst der Diplomatie beherrscht.
Der besonnen, klug und gerecht handelt
und – als wäre das noch nicht genug
– sich in einem ruhigen Moment auch
noch Gedanken über Kunst und Natur
macht.
INTRIGEN, INTRIGEN Die Oper
beginnt mit dem Einzug Cäsars in
Ägypten, der seinem römischen
Widersacher Pompeo auf den Fersen
ist. Dessen Frau Cornelia und der Sohn
Sesto erkennen ihre Niederlage an und
bitten um Gnade für den Verfolgten.
Cäsar ist bereit zur Versöhnung, als ihm
vom ägyptischen König Tolomeo ein
grausiges Geschenk überbracht wird:
Der Kopf des Pompeo. Tolomeo glaubt,
Cäsar einen Gefallen getan zu haben
und ihn so im Machtkampf mit seiner
Schwester Kleopatra auf seine Seite
ziehen zu können. Doch der Schuss
geht nach hinten los: Cäsar ist über die
barbarische Tat entsetzt und verbündet
sich mit Kleopatra.
EIN ANDERER BLICKWINKEL Der
seinerzeit bekannteste Opernkomponist
Georg Friedrich Händel setzte
dem römischen Imperator in Giulio
Cesare (1724) mit seinem bis heute
erfolgreichsten Werk ein Denkmal.
Händel war es auch, der Cäsar
nicht einfach als gefühlskalten
Machtpolitiker zeigte, sondern als
mitfühlenden, großzügigen Menschen
und leidenschaftlichen Liebhaber.
Und Kleopatra ist nicht nur eine
faszinierende Frau mit ungeheurer
erotischer Ausstrahlung, sondern auch
eine leidgeprüfte und kompromisslose
Powerfrau, die am Schluss zur Königin
Ägyptens gekrönt wird.