DER MENSCHENFEIND
Komödie von Molière
UNBEDINGTE WAHRHEIT Verstellung, Lüge, Boshaftigkeit – derjunge Aristokrat Alceste meint die Scheinhaftigkeit seiner Mitmenschen zu durchschauen und stellt der verdorbenen Welt seinen unbedingten Wahrheitswillen gegenüber. Vor Gericht will er nichts für seinen Prozess tun, seinem Freund Oronte geigt er seine Meinung über ein Sonett, was eben jener gerade verfasst hat. Ganz allein der koketten Célimène kann er nicht böse sein, da er sein Herz an sie verloren hat. IhreSeitensprünge verzeiht er ihr genauso wie er immer wieder von Neuem an ihre Treue glaubt. Schließlich verlangt er von ihr, dem gesellschaftlichen Leben zu entsagen und sich mit ihm in die Einsamkeit zurückzuziehen. Doch die lebenslustige Célimène lehnt ab und Alceste kehrt der Welt allein und endgültig den Rücken.
EIN „KOMISCHER" AUSSENSEITER
Die Rigorosität, mit der Alceste
nicht nur jede Lüge, sondern auch
jedes konventionsgerechte Verhalten
anprangert, wird ihm zum Verhängnis.
Er wird zum gesellschaftlich geächteten Außenseiter. Molière sah
genau darin die Komik dieser Figur,
wobei der Dichter es hervorragend
verstand, die Sympathien für Alceste
genau auszubalancieren: Während
seine Entlarvung von Heuchelei und
Verlogenheit gesellschaftlichen Verhaltens Alceste Sympathie einbringt,
stellt sie der Autor gleich dadurch wieder
in Frage, indem er den Protagonisten als
selbstgerecht und egoistisch darstellt.
EIN PERSÖNLICHES WERK?
Betrachtet man Molières Leben
(1622-1673) zum Zeitpunkt des
Menschenfeinds (1666), so fallen
gewisse Parallelen zum Stück auf.
Seine Schwierigkeiten in seiner Ehe
mit Armande Béjart, deren Untreue
stadtbekannt war, eine schwere
Krankheit und seine finanziellen Sorgen
durch die Schließung seines Theaters –
all das mag zu der düsteren Atmosphäre
und der Bitternis geführt haben, die
dieses Werk umgibt, sodass manche
Interpreten seinen Komödiencharakter
generell in Frage gestellt haben.