DAS LEBEN EIN TRAUM
Schauspiel von Pedro Calderón de la Barca
SCHICKSALHAFTE PROPHEZEIUNG DER STERNE Polens König Basilius wurde einst durch eine unheilvolle Sternenkonstellation prophezeit, dass sein Sohn ihn vom Thron stoßen und das Land in großes Elend stürzen würde. Daher ließ Basilius seinen Sohn Prinz Sigismund isoliert von der Außenwelt in einem Turm tief in den Wäldern
seines Königreichs aufwachsen. Gedrückt von Gewissensbissen will Basilius den Orakelspruch jedoch auf die Probe stellen: Er lässt Sigismund betäuben und im Schloss als König erwachen. Sigismund bestätigt den Spruch der Sterne, indem er seinem Zorn freien Lauf lässt. Als er später im Turmgefängnis wieder erwacht, scheint das soeben
Erlebte nur ein Traum gewesen zu sein. Oder ist nicht sogar das ganze Leben nichts als Traum?
GEGENREFORMATION Pedro Calderón
de la Barca (1600 – 1681) gehört zu
den prominentesten Vertretern des
spanischen Barockzeitalters. Sein Werk
ist wesentlich geprägt vom Geist der
Gegenreformation: Das Weltbild der
Jesuiten bildet die Grundlage aller
seiner Werke, in denen nicht das zeitlich
begrenzte Leben, sondern Fragen nach
der „Conditio humana“, der Ewigkeit
und Vergänglichkeit die entscheidenden
Bezugspunkte sind.
SCHEIN UND SEIN In der Kunst des
Barockzeitalters werden immer wieder
zwei große Themen aufgegriffen, die
auch in Calderóns Das Leben ein Traum
(1635) von überragender Bedeutung
sind: Vergänglichkeit (Vanitas) und die
Vorstellung der Welt als Bühne, also
das Scheinhafte allen irdischen Lebens.
Schein und Sein wird dem Menschen bei
Calderón zum existentiellen Problem,
bei dem ihm nur der Tod als Ausgang
aus dieser Welt zur Hilfe kommt.