Bei einem Spaziergang 1907 in Helsinki hatten Gustav Mahler und Jean Sibelius Gelegenheit, über „alle großen Fragen der Musik auf Leben und Tod“ zu diskutieren, auch über die Sinfonik. Wo Sibelius immanente motivische Zusammenhänge anstrebte –eine Sinfonie müsse „strenge innere Logik zeigen“ –, war Mahlerganz anderer Meinung: „Nein, die Sinfonie muss wie die Welt sein. Sie muss alles umfassen.“ Bei RheinVokal treffen diese kontroversen künstlerischen Ideen aufeinander. So finden sich in Mahlers Vierter so unterschiedliche Elemente wie Volksmusik, Choral, Marsch und Gesang, während Sibelius die Mythen seiner Heimat in mal schwerblütigen, mal heiteren Stimmungsbildern vertonte und neben diesen Tondichtungen auch hinreißende, viel zu selten aufgeführte Orchesterlieder komponierte. Zwei finnische Landsleute nehmen sich dieser Musik und Mahlers Großwerk bei RheinVokal an – ein Eröffnungsabend der Superlative.
Tuuli Takala Sopran
Pietari Inkinen Dirigent
Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Foto: Deutsche-Radio-Philharmonie © Jean M. Laffitau